Mein Obsidian-System nach über 1000 Notizen
8. Mai 2026
Mein Obsidian-Vault ist mittlerweile über 1000 Notizen groß – Meeting-Protokolle, Trainingspläne, Bewerbungen, gelesene Paper, halbfertige Gedanken. Damit das trotzdem benutzbar bleibt, halte ich mich an ein paar einfache Regeln, die ich hier kurz zeige.

Ein Vault, fast ohne Ordner
Fast alle Notizen landen im selben Ordner: Notes/. Kein Arbeit/, kein
Privat/, kein Sport/. Themen-Ordner zwingen jede Notiz in genau eine
Schublade, aber die meisten Gedanken gehören eigentlich in mehrere. Statt
Ordnern bekommt jede Notiz im Frontmatter ein categories-Feld, das auf eine
andere Notiz verlinkt:
---
categories:
- "[[Meetings]]"
date: 2026-07-01
people:
topics:
---
Eine Notiz kann so auch mehrere Kategorien gleichzeitig tragen – ein
Gesprächsprotokoll ist gleichzeitig [[Meetings]] und über das org-Feld
einer bestimmten Organisation zugeordnet.
Kategorien statt Hierarchie, dargestellt mit Bases
Jede Kategorie ist selbst eine ganz normale Notiz (Journals.md,
Papers.md, Evergreens.md, Trainingsfokus.md, …), die per
Bases – Obsidians eingebauter
Tabellen-/Datenbank-Ansicht – alle Notizen mit dieser Kategorie live
auflistet:
filters:
and:
- categories.contains(link("Categories"))
- '!file.name.contains("Template")'
views:
- type: table
name: Table
sort:
- property: file.name
direction: ASC
Damit ist jede Kategorie automatisch eine gefilterte, sortierbare Übersicht, ohne dass ich eine Index-Seite von Hand pflegen muss. Neue Kategorien lege ich über eine eigene Vorlage an, die genau eine solche Base einbettet.
Vorlagen und Automatisierung mit Templater
Neue Notizen entstehen fast nie leer. Templater
füllt Frontmatter-Felder wie created automatisch aus – bei manchen
Vorlagen benennt es die Datei nach dem Speichern sogar gleich passend um.
Aus der Meeting-Vorlage:
## 🎯 Purpose/Objective
## 📝 Notes
-
<%*
await tp.file.rename(tp.file.creation_date("YYYY-MM-DD HHMM") + " Meeting");
%>
Ich muss beim Anlegen also nicht mehr an Datum oder Dateiname denken – ich schreibe direkt los.
Zettelkasten-IDs für flüchtige Gedanken
Für Notizen, bei denen ich beim Anlegen noch nicht weiß, was daraus wird,
gilt eine eigene Regel: Das zk-prefixer-Plugin
vergibt automatisch einen Zeitstempel als Dateiname (YYYY-MM-DD HHmm),
sobald ich eine neue "Unique Note" erstelle. Kein Titel, keine
Kategorisierungs-Entscheidung – nur ein Gedanke, schnell festgehalten.
Reift so eine flüchtige Notiz zu etwas Eigenständigem heran, bekommt sie
einen echten Titel und die Kategorie [[Evergreens]] – angelehnt an
Andy Matuschaks Konzept der Evergreen Notes:
Notizen, die ein Thema atomar und dauerhaft festhalten, statt nur ein
Gesprächsprotokoll zu sein.
Daily Notes als Eingangstür
Jeder Tag bekommt über das Calendar-Plugin eine eigene Notiz mit Links zum Vor- und zum nächsten Tag sowie einer eingebetteten Base, die alle Notizen zeigt, die an diesem Kalendertag entstanden sind.
Die übrigen Plugins, die den Alltag tragen
Ein paar weitere Plugins, ohne die das System nicht so reibungslos liefe:
- obsidian-git – das Vault ist selbst ein Git-Repo und committet sich automatisch, quasi als Backup mit Versionshistorie.
- dataview – für Abfragen, die (noch) keine Base sind.
- tag-wrangler und note-refactor-obsidian – Tags aufräumen und flüchtige Notizen in atomare Evergreens aufteilen.
- darlal-switcher-plus – schneller Sprung zwischen über 1000 Notizen.
- obsidian-excalidraw-plugin, drawio-obsidian, obsidian-plantuml – Skizzen und Diagramme direkt in Notizen.
- pdf-plus – Paper annotieren, ohne die PDF zu verlassen.
Kein Obsidian-Plugin, aber genauso wichtig: Syncthing hält das Vault zwischen Laptop, Desktop und Handy synchron – direkt Geräte-zu-Geräte, ohne Cloud-Anbieter dazwischen.

Vom Notiz zum Blogpost
Auch dieser Blog fängt in Obsidian an: Eine Notiz mit Kategorie
[[Blog Idee]] trägt als Titel schon die Arbeitsüberschrift, dazu ein
status-Feld (Idee → im Schreiben → veröffentlicht) und ein leeres
channels-Feld für später, falls aus einem Post noch Social- oder
Video-Content wird. Der eigentliche Text entsteht aber nicht in Obsidian,
sondern direkt hier im Repo als Markdown – ein Copy-Paste-Schritt weniger ist
ein Schreib-Widerstand weniger. Dieser Post hier war so eine Notiz.